Alter israelitischer Friedhof





Die im Zusammenhang mit der Errichtung des Wiener Zentralfriedhofes angestrebte Zentralisierung des Begräbniswesens veranlasste die Israelitische Kultusgemeinde bereits 1874, mit der Gemeinde Wien "wegen Überlassung einer Grundfläche zur Errichtung eines abgesonderten Friedhofes" in Verhandlungen zu treten. Da nach der jüdischen Religionsauffassung die Begräbnisstätten dauernd zu erhalten sind, um den dort bestatteten Toten eine ewige ungestörte Ruhe zu sichern, verzögerten sich diese Verhandlungen, "weil durch die rituellen Bestimmungen der Israeliten über die Bestattung ihrer Leichen" die Bewertung der abzutretenden Grundfläche erschwert wurde.

Erwerb der Grundfläche

Mit Beschluss des Gemeinderates vom 30. Oktober 1874 wurden der Israelitischen Kultusgemeinde "die angesuchten 30 Joch Grundfläche" unter der Bedingung überlassen, dass die Kultusgemeinde sowohl zu den allgemeinen Verwaltungskosten als auch zu den Kosten der Baulichkeiten des Zentralfriedhofes, die keinen konfessionellen Charakter haben, einen dem Anteil der Flächen zueinander entsprechenden Beitrag zu leisten hatte. Für die in der "Israelitischen Abteilung des Zentralfriedhofes" zu errichtenden Bauten musste die israelitische Gemeinde die gesamten Kosten tragen. Der auf Grund dieser Bedingungen vereinbarte Vertragsentwurf wurde vom Gemeinderat am 20. Juli 1877 genehmigt. Für die Überlassung von 20 Joch 826 Quadratklafter wurde der Betrag von 36.929 Kronen 25 Kreuzer festgesetzt. Der Vertrag wurde am 16. Oktober abgeschlossen. Am 19. Oktober 1877 wurde "die physische Übergabe dieses Areals" vollzogen.

Zeremoniengebäude

In der Zwischenzeit war das Projekt für das große Zeremoniengebäude und das Leichenhaus nach den Plänen von Architekt Wilhelm Stiassny genehmigt worden. Deren Bau wurde im Frühjahr 1878 begonnen und im Spätherbst vollendet. Das im historisierenden Stil erbaute Zeremoniengebäude verfügte über einen "großen, mit reich verzierter Kassettendecke versehenen Zeremoniensaal", der 400 bis 500 Personen Platz bot. Ein kleiner Saal, der "zirka 100 Personen zu fassen vermag", war an der Ostseite angeordnet. Das 1938 zerstörte Zeremoniengebäude wurde im Frühjahr 1979 abgetragen.

Anlage des Areals

Auf Grund des am 18. Dezember 1878 erteilten Konsenses "zur Benützung der Leichenhofgebäude" wurden die erforderlichen sanitätspolizeilichen und administrativen Vorkehrungen, unter anderem auch die Beschaffung der elektrischen Weckapparate, getroffen. Am 5. März 1879 wurde mit der Belegung begonnen. "Damit die Idee des Centralfriedhofes erhalten bleibt", wurde von einer Begrenzung der Israelitischen Abteilung durch eine Mauer abgesehen und durch eine mit Alleebäumen bepflanzte Straße eine symbolische Teilung hergestellt. Ein Eigentumsrecht an der Bestattungsanlage war der Israelitischen Kultusgemeinde jedoch nicht zugesprochen worden. Auf Grund des im Oktober 1877 abgeschlossenen Vertrages wurde aber das "Benützungsrecht mit der Zusicherung erteilt, daß die israelitische Abteilung des Friedhofes so lange unantastbar bleibt, als nicht der gesamte Zentralfriedhof seiner Bestimmung für Tote entfremdet wird".

Erweiterungen

In den Jahren 1887, 1889 und 1912 wurde die "Israelitische Abteilung des Zentralfriedhofes" durch den Erwerb von anschließenden Grundstücken bis zu dem auf Grund der örtlichen Gegebenheiten zulässigen Höchstausmaß erweitert. Bereits 1909 wurde die Errichtung eines neuen Friedhofes in Erwägung gezogen. 1911 wurde der Ankauf eines ostwärts an den Zentralfriedhof angrenzenden Grundstückes beschlossen. Die Eröffnung dieses Friedhofes erfolgte am 4. April 1917.

Alter Israelitischer Friedhof
Simmeringer Hauptstraße
Zentralfriedhof Tor 1
1110 Wien

Tel.: +43 (0)1 767 62 52

Homepage: www.ikg-wien.at