Friedhof Stammersdorf Zentral

Geschichte

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Friedhof Stammersdorf Zentral
Stammersdorfer Straße 244-260
1210 Wien

Tel.: +43 (0)1 292 13 61
Fax: +43 (0)1 292 13 61

Erreichbarkeit
Kanzlei:
Montag bis Freitag von 8 bis 15 Uhr

Friedhof Stammersdorf Zentral

Aufbahrungshalle am Friedhof Stammersdorf Zentral

Geschichte

Stammersdorf und der ehemalige Floridsdorfer Zentralfriedhof kamen durch eine Verordnung vom 15. Oktober 1938 zu Wien.

Ursprünglich diente der hinter der Kirche in Richtung Angererstraße gelegene, am 12. April 1836 geweihte Friedhof der Bestattung der Floridsdorfer Gemeindebürgerinnen und Gemeindebürger. Mit Dekret vom 20. Mai 1835 wurde von der k. k. Hofkanzlei die "Errichtung einer Localie (Lokalkaplanei) zu Floridsdorf genehmigt. Mit Consistorialdecret vom 3. Februar 1836 wurde der weiße Sonntag des Jahres 1836, der auf den 10. April fiel, als Anfang der Localie bestimmt".

Neuanlagen
Als 1863 mit dem Friedhof nicht mehr das Auslangen gefunden wurde, erwarb die Gemeinde Floridsdorf vom Stift Klosterneuburg um 2.400 Gulden 1.800 Quadratklafter Ackergrund an der Brünner Straße. Der neue Ortsfriedhof ersetzte ab 1864 den bei der Pfarrkirche St. Jakob gelegenen Friedhof.

Anlage und Herstellung des Friedhofes übernahm Baumeister Frömmel. Der Bau der Totengräberwohnung und der Leichenkammer war auf einen späteren Zeitpunkt verschoben worden. Der Friedhof konnte "wegen des zu frühen Eintrittes der Kälte" erst am 7. April 1864 vom Klosterneuburger Propst Adam Schreck geweiht werden. Die erste Beerdigung fand am 15. Mai 1864 statt.

1884 sprach sich die Gemeindevertretung von Groß-Jedlersdorf gegen den Fortbestand des neuen Ortsfriedhofes von Floridsdorf aus. Die Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer an der Brünner Straße drängten auf die Auflassung des Friedhofes. Ein neuer "Central-Friedhof bei Stammersdorf" sollte geschaffen werden.

Die zunehmende Verbauung und die drohende Choleragefahr bedingten 1893 ein Bestattungsverbot für eventuelle Infektionsleichen im Floridsdorfer Friedhof. Für die Beerdigung der an einer Infektion verstorbenen Gemeindebürgerinnen und Gemeindebürger sollte der Jedleseer Friedhof herangezogen werden, der auch zu einem "Central-Friedhof" ausgestaltet werden sollte. Die Verhandlungen wurden 1897 aufgenommen. Das Projekt wurde zurückgestellt, als die Gemeindevertretung von Leopoldau der Gemeinde Floridsdorf ihre Unterstützung beim Erwerb eines an der Straße von Jedlersdorf nach Gerasdorf gelegenen Grundstückes zur Errichtung eines Zentralfriedhofes anbot.

Verhandlungen mit der Gemeinde Stammersdorf, die am 17. Juni 1901 zwei Grundstücke zum Preis von zwei Kronen je Quadratklafter anbot, führten am 13. November 1901 zum Ankauf eines Grundstückes im Ausmaß von rund 121.000 Quadratmetern an der Gerasdorfer Bezirksstraße (jetzt Stammersdorfer Straße 244-260). Dafür wurden 66.772 Kronen entrichtet.

Mit den Bauarbeiten nach den Plänen des Ingenieurs Oskar Mratschek wurde Baumeister Alois Frömmel betraut. Die Bauarbeiten sowie die Anlage der Wege wurden im Sommer 1902 begonnen. Am 27. Mai 1903 wurde der neue Friedhof durch Dechant Ludwig Hüttner von Pillichsdorf geweiht.

Am 1. Juni 1903 wurde der Friedhof der Öffentlichkeit übergeben. Die bisherigen Ortsfriedhöfe in Jedlesee, Floridsdorf und Donaufeld wurden für weitere Beilegungen gesperrt. Während die Sperre des Friedhofes in Jedlesee aufgehoben und ab 20. Oktober 1907 wieder beerdigt werden durfte, wurden der Donaufelder Friedhof 1922 (Hans-Hirsch-Park) und der Floridsdorfer Friedhof 1925 (Paul-Hock-Park) in Parkanlagen umgewandelt.

Im Jänner 1902 war auf Grund von Berechnungen beschlossen worden, dass mit einem Drittel des angekauften Grundstückes das Auslangen gefunden werden konnte. Um künftige Friedhofserweiterungen symmetrisch nach beiden Seiten zu ermöglichen, war der Friedhof im mittleren Drittel angelegt worden. Die im gotischen Stil erbaute "Einfahrtshalle" wurde über dem in der Mitte liegenden Haupteingang erbaut. Der Weg des Konduktes vom Aufbahrungsort in den Friedhof führte somit durch die Einfahrtshalle, in der zwei Wartehallen vorgesehen waren. In einem rechts vom Haupteingang errichteten Gebäude waren die Wohnungen des Friedhofsverwalters und des Totengräbers und im links vom Haupteingang liegenden "Leichenhaus" zwei Totenkammern sowie der Sezierraum und das Ärztezimmer untergebracht.

Umbenennung
Der ursprünglich als Floridsdorfer Zentralfriedhof bezeichnete Friedhof, der mit 1. Jänner 1906 in die Verwaltung der Gemeinde Wien gelangte, wurde im Juli 1907 in "Friedhof in Stammersdorf" umbenannt. 1920 wurde er unter der Bezeichnung "Stammersdorfer Friedhof" zum Hauptfriedhof neben dem Wiener Zentralfriedhof erklärt.

1925 erfolgte im Zusammenhang mit einer wesentlichen Vergrößerung des Friedhofsareals seine Umbenennung in "Stammersdorfer Zentralfriedhof".

Erweiterungen
Im September 1906 wurde die Einführung der Gasbeleuchtung bewilligt. 1907 wurde dem Magistrat der Stadt Wien die Vornahme baupolizeilicher Maßnahmen im Bereich des Friedhofes übertragen.

1908 und 1916 wurde der Ankauf von Grundstücken für künftige Friedhofserweiterungen genehmigt. 1925 und 1926 wurde die Erweiterung des Friedhofes durch Einbeziehung der südlich und westlich gelegenen Grundstücke bewilligt. 1916 genehmigte der Stadtrat im städtischen Friedhof in Stammersdorf und in den Friedhöfen des 21. Bezirkes Beilegungen in Einzel(Kinder)gräbern. Er verfügte außerdem, dass die Särge in den Schachtgräbern des städtischen Friedhofes in Stammersdorf so beizusetzen seien, wie dies nach der Friedhofsordnung auf dem Zentralfriedhof im 11. Bezirk geschah.

1928 wurden im westlichen Erweiterungsteil eine Urnennischenanlage sowie eine Urnenbegräbnisstätte errichtet. Mit deren Belegung wurde ab 2. Jänner 1929 begonnen. Eine 1927 erfolgte Umgestaltung der Leichenkammer - des ehemaligen Leichenhauses - bot die Möglichkeit zur Aufbahrung Verstorbener. 1937 wurden ein Aufbahrungs- und ein Trägerraum geschaffen. Damit stand den "Trägern der städtischen Leichenbestattung", die sich ab September 1927 im ehemaligen Ärztezimmer umkleiden konnten, ein eigener Raum zur Verfügung.

1938 wurde der Friedhofszugang durch die Einfahrtshalle abgemauert. Durch den Abbruch der im Durchgangsbereich bestehenden Mauern der ehemaligen Wartehallen wurde eine der Aufbahrung beziehungsweise Einsegung von Verstorbenen dienende Aufbahrungskapelle geschaffen.

Instandsetzungen und Neuerungen
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war es vorerst erforderlich, Instandsetzungsarbeiten vorzunehmen. 1950 wurde der Friedhof an das städtische Stromnetz angeschlossen. Die Beleuchtung der Objekte erfolgte bis dahin durch eine eigene, unzulängliche Stromerzeugungsanlage.

Im gleichen Jahr wurde die nunmehr als Aufbahrungshalle 2 bezeichnete Leichenkammer renoviert und ausgebaut. 1960 bis 1962 wurden eine neue Urnenmauer errichtet und der Urnenhain vergrößert. 1963 wurde eine eigene Wasserversorgungsanlage errichtet.

Errichtung eines Krematoriums
Die römisch-katholische Kirche milderte 1963 die Vorschriften des Kirchenrechtes über die Kremation Verstorbener. Die Stadtverwaltung sah sich zu der Annahme veranlasst, dass diese Bestattungsart, deren Anteil zu dieser Zeit bei rund zwölf Prozent aller Todesfälle in Wien lag, in Zukunft häufiger als bisher gewählt werden würde. Auf Grund der regen Wohnbautätigkeit in den städtebaulichen Erweiterungsgebieten links der Donau war zudem eine Zunahme der Wohnbevölkerung registriert worden. Im Bereich des Stammersdorfer Zentralfriedhofes wurde somit ein Krematorium errichtet. Die Aufbahrungshalle 2 wurde so umgestaltet, dass sowohl Trauerfeiern zu Erdbestattungen als auch zu Kremationsfeiern abgehalten werden können.

1964 bis 1966 erfolgte der Umbau des Gebäudes, das gleichzeitig durch einen für die Unterbringung von zwei gasbefeuerten Kremationsöfen geeigneten Anbau erweitert wurde. Die Planung der Umgestaltung erfolgte durch Baurat Architekt Josef Strelec. Für die Gestaltung der beiden Aufbahrungsräume konnte Architekt Prof. DI Erich Boltenstern gewonnen werden. Nach seinen Entwürfen wurden die Feuerhallen in Graz und in Villach erbaut. Der akademische Maler Hermann Bauch schuf ein die Stirnseite des Vorraumes ausfüllendes Betondickglasfenster. Das in der Nähe des Halleneinganges errichtete 4,5 Meter hohe Stahlkreuz wurde vom Wiener Schlossermeister Walter Schulz gestaltet.

Am 2. Mai 1966 wurde die Aufbahrungshalle 2 ihrer Bestimmung übergeben. Die erste Trauerfeier, eine Kremationsfeier mit römisch-katholischer Einsegnung, erfolgte am 3. Mai 1966.

Die Errichtung einer Bezirksbeisetzkammer wurde erforderlich. Im Herbst 1966 wurde sie in Betrieb genommen. Mitte 1967 war sie gesperrt worden. Erst als der ärztliche Notdienst im Oktober 1969 den Totenbeschaudienst zu den Wochenenden übernahm, wurde ab 1. Dezember 1969 der Betrieb wieder aufgenommen. Die Anzahl der Abstellmöglichkeiten war zugunsten einer Vergrößerung der Friedhofsbeisetzkammer verringert worden.

Anlässlich des Umbaues der Aufbahrungshalle 2 in den Jahren 1987 und 1988 wurden auch die im Untergeschoss befindlichen Beisetzkammern (Bezirks- und Friedhofsbeisetzkammer) umgestaltet.

Die Aufbahrungskapelle des Stammersdorfer Zentralfriedhofes wurde mit Ende Mai 1969 gesperrt. Sie wurde nur mehr anlässlich von Renovierungen der Aufbahrungshalle 2 in den Jahren 1971 und 1980 in Betrieb genommen.

Im Mai 1969 wurde die für die Dauer des Umbaues des Krematoriums in Simmering vorgesehene Bezirkseinteilung geändert. Es wurde festgelegt, dass in der Stammersdorfer Feuerhalle die Verstorbenen der Wohnbezirke 2, 19 bis 22 sowie die nicht nach römisch-katholischem Ritus einzusegnenden Verstorbenen, die nicht in Wien wohnhaft waren, eingeäschert werden. In allen anderen Fällen erfolgte die Kremation in der Feuerhalle Wien-Simmering.

Die Vorteile der Feuerbestattung wurden sowohl in hygienischer als auch in ökonomischer Hinsicht allgemein anerkannt. In den Jahren 1978 bis 1980 mussten zwei neue Urnenmauern errichtet werden. Die geänderte Einstellung der römisch-katholischen Kirche zur Feuerbestattung führte dennoch nicht zur Zunahme der Kremationsfälle. Der Betrieb von zwei Krematorien war nicht gerechtfertigt. Am 7. September 1981 wurde der Einäscherungsbetrieb im Krematorium des Stammersdorfer Zentralfriedhofes probeweise eingestellt. Seither werden alle Verstorbenen ausschließlich in der Feuerhalle Simmering kremiert. 1984 bis 1986, als die Feuerhalle Simmering eine neue Ofenanlage erhielt, war der Betrieb in Stammersdorf vorübergehend wieder aufgenommen.

Um der zunehmenden Bedeutung des Stammersdorfer Zentralfriedhofes als Beerdigungsfriedhof für die Bewohnerinnen und Bewohner des 20. und des 21. Bezirkes gerecht zu werden, wurde 1984 vorgesehen, die ehemalige Aufbahrungskapelle wieder zur Abhaltung von Trauerfeiern heranzuziehen. Anschließend sollte die Aufbahrungshalle 2 entsprechend umgestaltet werden.

Sanierung und Umbau der Aufbahrungshallen
Nach Abschluss der Planungsarbeiten wurde Ende 1986 die Generalsanierung und Umgestaltung der Kapelle zur Aufbahrungshalle 1 nach den Plänen des Architekten Dr. Christof Riccabona begonnen. Nach Fertigstellung der Arbeiten konnte die Halle am 30. Oktober 1987 ihrer Bestimmung übergeben werden.

Der Einbau einer Sargversenkungseinrichtung bietet die Möglichkeit, Trauerfeiern zu Erdbestattungen sowie Kremationsfeiern abzuhalten. Das von Professor Hans Robert Pippal geschaffene Altarkreuz kann bei nichtchristlichen Trauerfeiern durch das Schließen der Altarflügel verdeckt werden.

Mit der Inbetriebnahme der Aufbahrungshalle 1 am 2. November 1987 wurde die Aufbahrungshalle 2 für die Abhaltung von Trauerfeiern gesperrt. Nach den Plänen des Architekten Dr. Christof Riccabona wurde mit dem Umbau begonnen. Während der Bauzeit wurden die Trauerfeiern in einer provisorischen Aufbahrungshalle abgehalten.

Anstelle der beiden unterschiedlich großen Aufbahrungsräume wurde ein großer Zeremonienraum geschaffen. Die Altarwand in der Apsis wurde mit einem vom akademischen Maler und Diplomgraphiker Hermann Bauch Junior entworfenen Goldmosaik mit Kreuzdarstellung ausgestaltet. Ein vom gleichen Künstler entworfenes Schiebefenster aus Bleiglas verdeckt die christlichen Symbole bei nichtchristlichen Trauerfeiern. Die vorhandene Sargversenkungsanlage wurde belassen. Dadurch können sowohl Trauerfeiern zu Erdbestattungen als auch Kremationsfeiern abgehalten werden. Die umgebaute Aufbahrungshalle 2 wurde am 21. November 1988 ihrer Bestimmung übergeben und am 28. November in Betrieb genommen.

1989 wurde eine neue Urnenmauer errichtet. In den Jahren 1990 und 1991 wurde das Verwaltungsgebäude instand gesetzt.

Im Jahr 2003 wurden die Räumlichkeiten des Krematoriums umfunktioniert und mit zusätzlichen Sozialräume für Gärtnereimitarbeiter ausgestattet.

Mit Ende 2011 begannen die Renovierungsarbeiten an der Aufbahrungshalle 1 welche im Frühjahr 2012 beendet werden konnten.