Friedhof Pötzleinsdorf

Geschichte

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Friedhof Pötzleinsdorf
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Friedhof Pötzleinsdorf

Steinbank am Friedhof Pötzleinsdorf

Geschichte

Eine der heiligen Maria und dem heiligen Wilhelm geweihte Kapelle wurde 1529 genannt. 1638, als die Grundherrschaft an das Himmelpfortkloster überging, wurde eine Kapelle erwähnt, die 1746 durch eine neu erbaute Kirche ersetzt wurde. Pötzleinsdorf, das zur Pfarre Währing gehörte, wurde 1783 zur Lokalkaplanei erhoben und von Währing ausgepfarrt.

1784 bewilligte die niederösterreichische Landesregierung auf Grund eines Gesuches des Pfarrers von Pötzleinsdorf den Ankauf eines Grundstückes "in einer freyen Anhöhe in der sogenannten Ried Hochenwarten" zur Errichtung eines Friedhofes. Die Gemeinde Pötzleinsdorf ersuchte im Juni 1784, dass die Kosten der Einfriedung des Friedhofes "wegen unserer allbekannten Armuth" vom Religionsfonds übernommen und der Friedhof von allen Abgaben befreit werden möge.

Der Gemeinde wurde am 13. Jänner 1785 mitgeteilt, dass den "21 Unterthanen" die Kosten der Errichtung eines Friedhofes nicht aufgebürdet werden könnten. Es dürfe, "weil ohnehin nur selten der Fall der Begräbnisse vorkommen werde, vermutlich thunlich seyn, die Leichen der in dieser local Kaplaney Versterbenden in den Freythof der Mutterkirche jedesmal zu überbringen". In ihrer Eingabe an die k. k. Kameral-Administration wies die Gemeinde darauf hin, dass 1784 elf Personen verstarben. Darüber hinaus wäre "die Überbringung der Leichen nach Währing wegen der stundenweiten Entfernung und wegen des zur Winterzeit bei einfallendem Schnee fast unwandelbaren Weges mit den größten Beschwernissen für den Geistlichen und die Trauerleute verbunden, auch mit sehr viel Zeitverlust bei einem jeden solchen Begräbnisse, den sie als arme, auf fleißige Arbeit angewiesene Menschen sehr empfindlich spürten."

Daraufhin erhielt die Gemeinde Pötzleinsdorf 1785 ihren eigenen Gottesacker. Dieser wurde zu einem der schönst gelegenen Ortsfriedhöfe Wiens.

Erweiterungen
1823 wurde dem Besitzer der Herrschaft Pötzleinsdorf, Johann Heinrich Freiherr von Geymüller, vom Wiener fürsterzbischöflichen Konsistorium die Errichtung einer Familiengruft bewilligt. Dieser stellte als Gegenleistung Gründe zur Vergrößerung des Gottesackers zur Verfügung und ließ die schadhafte Einplankung durch eine Staketeneinfriedung ersetzen.

1865 erfolgte die zweite Erweiterung des Friedhofes. Als 1876 "durch zahlreichen Ankauf von Grüften für Wiener Familien" eine neuerliche Erweiterung des Ortsfriedhofes von der "löblichen Gemeindevertretung beschlossen worden sein sollte", protestierten die "unterzeichneten Bewohner, Haus- und Grundbesitzer und Wahlberechtigten". Sie sprachen sich für eine Verlegung des Friedhofes aus.

1906 konnte der Friedhof um 2.972 Quadratmeter auf 5.544 Quadratmeter erweitert werden. Zu den dafür erforderlichen Kosten von 36.000 Kronen bemerkte der Referent im Gemeinderat, "daß das fruchtbringendes Kapital ist, weil auf diesem Friedhof nur sogenannte zugewiesene Leichen in Grüften und Gräbern beerdigt werden". Ein Einspruch der Anrainerinnen und Anrainer, dass die Herstellung einer Stützmauer beziehungsweise Holzplanke an der unteren Grenze des Pötzleinsdorfer Friedhofes zu einer Entwertung ihrer Gründe führt, wurde vom Wiener Gemeinderat im April 1906 zurückgewiesen.

Anlässlich der Friedhofserweiterung wurde die Einfriedungsmauer des alten Friedhofsteiles erneuert. Mit Beschluss des Stadtsenates vom 20. März 1906 wurde der Bau eines Leichenhauses genehmigt.

Umgestaltungen und Neuerungen
1907 genehmigte der Gemeinderat der Direktion der "Privat-Kranken- und Pensionsinstitute für Handlungskommis" in Wien, "Konfraternität", die Überlassung der beiden vor dem im Jahre 1888 erbauten Mausoleum Hauschka liegenden Grundstreifen zur Errichtung einer gärtnerischen Anlage auf die Dauer des Friedhofsbestandes. Der Stadtrat genehmigte die Erhöhung der Grabstellengebühren für "Nichtzugewiesene".

1913 wurde die Einleitung des Hochquellenwassers bewilligt. 1918 wurde eine im Südwesten des Friedhofes gelegene Fläche in die Belegung einbezogen. Im August 1919 wurde der Bezirksvertretung des 18. Bezirkes bekannt gegeben, dass "eine Erweiterung des Friedhofes nicht beabsichtigt ist, aber auch nach Erschöpfung der verfügbaren Grabstellen der Friedhof nicht gesperrt werden wird, sondern die Beilegung von Leichen in bestehenden Grabstellen bis auf weiteres aufrecht bleibt".

Im Oktober 1919 wurde einem Vertreter des Gedenksteinbaukomitees der freie Gruftplatz Nr. 48 unentgeltlich auf Friedhofsdauer zur Aufstellung eines schmiedeeisernen Gedenkkreuzes für die im Krieg gefallenen Pötzleinsdorfer überlassen.

Am 6. April 1923 beschloss der Gemeinderat, dass mit Wirkung vom 1. Mai 1923 keine neuen Gräber mehr vergeben werden. 1937 wurde kundgemacht, dass die einfachen Gräber der Gruppe E, Reihe 2, wiederbelegt werden.

1948 bis 1951 wurde die Aufbahrungshalle, deren Aufbahrungsraum im Jahre 1924 adaptiert worden war, instand gesetzt. Die durch Kriegseinwirkungen beschädigte Einfriedungsmauer wurde wiederhergestellt.

Sperrfriedhof
1952 wurde die Vergabe neuer und heimgefallener Gräber nicht mehr gestattet. 1953 sah ein Beschluss des Gemeinderates vor, dass der Pötzleinsdorfer Friedhof sowie neun weitere Friedhöfe im Jahre 1975 gesperrt werden sollten. 1957 wurde die Vergabe heimgefallener Gräber mit der Einschränkung genehmigt, dass das Benützungsrecht in allen Fällen am 31. Dezember 1975 erlöschen würde.

Im Oktober 1959 wurde festgelegt, dass im Friedhof Pötzleinsdorf Beerdigungen jeweils nur am Montag, Mittwoch und Freitag stattfinden durften. 1965 beschloss der Gemeinderat, dass in den Sperrfriedhöfen keine neuen oder heimgefallenen Gräber mehr vergeben werden dürften. Diese Friedhöfe sollten nach dem 31. Dezember 1975 für Beilegungen gesperrt werden.

Im Mai 1975 wurde auf Grund eines Beschlusses des Gemeinderates die Sperrfrist für die 16 Friedhöfe um zehn Jahre verlängert. Beilegungen in bestehenden Gräbern waren bis 31. Dezember 1985 gestattet. Bei einer Volksbefragung 1980 stimmten die Wiener Bürgerinnen und Bürger für die Aufhebung der Sperre und die Beibehaltung der Friedhöfe. Am 26. September 1980 hob der Gemeinderat den Sperrbeschluss auf. Der weitere Bestand des Friedhofes Pötzleinsdorf war gesichert.

Renovierung des Aufbahrungsraumes
1969 wurde der Aufbahrungsraum renoviert.

Von September 1982 bis Juli 1983 wurde die Aufbahrungshalle nach den Plänen von Architekt Prof. DI Erich Boltenstern umgebaut. Der Aufbahrungsraum wurde nach den 1964 festgelegten Grundsätzen umgestaltet. Da eine Vergrößerung des Zeremonienraumes nicht möglich war, wurde vor dem Eingang der Halle ein Vordach errichtet. Damit wurde den bei einer Trauerfeier außerhalb der Halle verbleibenden Trauergästen bei Schlechtwetter ein entsprechenden Schutz gewährleistet. Gleichzeitig wurden auch Teile der Friedhofsmauer instand gesetzt.

Die Aufbahrungshalle konnte am 1. August 1983 wieder in Betrieb genommen werden.