Friedhof Hietzing

Geschichte

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Friedhof Hietzing
Maxingstraße 15
1130 Wien

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Friedhof Hietzing

Friedhof Hietzing Blick über die Gräber

Geschichte

1253 überließ der Deutsche Ritterorden im Tauschweg seinen Wirtschaftshof mit der dazugehörigen Kapelle zu "Hyezing" dem Stift Klosterneuburg. Dieses übte ab dem Ende des 13. Jahrhunderts auch die Grundherrschaft über Hietzing aus. Das Gotteshaus, das von 1414 bis 1419 umgebaut und durch die Ungarn (1484 beziehungsweise 1605) sowie in den beiden Türkenkriegen zerstört und wieder aufgebaut worden war, wurde 1685 neu errichtet. 1860 bis 1864 wurde es erweitert. 1865 wurde der alte Turm durch einen neuen ersetzt.

Die Kirche entwickelte sich nach der ersten Türkenbelagerung auf Grund einer Legende über die wundersame Errettung von vier Hietzinger Einwohnern durch die Jungfrau Maria zu einem Wallfahrtsort. In ihr war eine Gruftanlage für die verstorbenen Chorherren des Stiftes Klosterneuburg untergebracht. Die Beisetzungen in dieser Gruft waren durch das Hofdekret 1784 untersagt.

Hietzing "gehörte zur Pfarre Penzing und bildete eine Filiale derselben". 1534 wurde die Kapelle dem Stift Klosterneuburg inkorporiert. Kaiser Joseph II. hob am 24. Dezember 1782 "die Exemption der Hietzinger Kirche auf und unterstellte sie als Filiale der Pfarre Penzing". Am 4. April 1786 genehmigte Joseph II. die Errichtung der Pfarre Hietzing, der "Schönbrunn als Filiale unterstand". Am 1. Juli 1786 wurde der Augustiner-Chorherr Dr. Eugen Desenbruck feierlich als erster Pfarrer eingeführt.

Erster Friedhof
Obwohl Hietzing erst 1786 zur Pfarre erhoben wurde und daher die Verstorbenen des Ortes im "Gottesacker zu Penzing" zu begraben waren, dürfte es bereits vor der Pfarrgründung über einen eigenen Friedhof im Bereich Maxingstraße 6/Trauttmansdorffgasse 1 verfügt haben. Sowohl das "in der Front des Hauses Maxingstraße 6" heute noch eingefügte "alte Friedhofskreuz mit der Jahreszahl 1619" (Theodor Ott) als auch der Hinweis in der "Topographie von Niederösterreich", dass "das Anwachsen des Ortes 1787 die Anlage eines neuen Friedhofes auf dem Künigelberge notwendig" machte, lassen auf das Vorhandensein eines bereits vor 1787 errichteten Friedhofes schließen. Das Hietzinger Heimatbuch (1. Band, Seite 324) verweist auf den "in der Hauptfront des palaisartigen Gebäudes Nr. 6" in der Maxingstraße eingemauerten "Bildstock mit der Jahreszahl 1619" und auch darauf, dass nach mündlicher Überlieferung "hier ein alter Friedhof bestanden haben" soll.

Erweiterungen
Der "auf der südwestlichen Seite von Hietzing, außer dem Orte" errichtete "Leichenhof", wurde vom Klosterneuburger Stiftsdekan Marcellin Jani am 12. Februar 1787 feierlich geweiht. 1794 wurde er um 96 Quadratklafter und 1817 um 134 Quadratklafter erweitert. Bei einer "abermaligen Erweiterung" 1835 wurde der Friedhof mit einer Mauer umgeben. 1861 wurde er in das Eigentum der Gemeinde Hietzing übernommen. Die nächste Friedhofserweiterung im Ausmaß von 1.185 Quadratmetern, die im April 1892 beschlossen wurde, fiel in die Kompetenz der Wiener Gemeindeverwaltung, die nunmehr für den Friedhof zuständig war.

Im Mai 1893 genehmigte der Stadtsenat die Errichtung eines an die bestehende Totenkammer "anstoßenden ebenerdigen Traktes" zur Herstellung von "Anstandsorten". Im folgenden Jahr wurden vom Gemeinderat mit dem Ankauf einer dem Stift Klosterneuburg gehörenden Teilfläche (9.350 Quadratmeter) und der teilweisen Einbeziehung einer kommunalen Grundparzelle (2.560 Quadratmeter) zwei weitere Vergrößerungen des Friedhofes genehmigt.

1896 wurden die Aufstellung eines Auslaufbrunnens sowie die vierte Friedhofserweiterung im Ausmaß von 9.184 Quadratmetern genehmigt. Von der Herstellung eines Administrationsgebäudes wurde Abstand genommen. Der Bau einer projektierten Leichenkammer wurde auf das folgende Jahr verschoben. Gleichzeitig mit der Friedhofserweiterung wurde die Herstellung einer 71 Meter langen Einfriedungsmauer mit einem Einfahrtstor und zwei Eingangstüren an der Maxingstraße bewilligt.

1897 konnten die im Jahr davor in Angriff genommene Erweiterung abgeschlossen und das "links von der Einfahrt an der Maxingstraße" auf dem Friedhof gelegene "neue Leichenhaus", das "zwei Leichenkammern, einen Vorraum und die Wohnung für einen Wächter" enthielt, errichtet werden.

1904 wurde eine neuerliche Erweiterung des Friedhofes im Ausmaß von 4.340 Quadratmetern grundsätzlich genehmigt. Gleichzeitig wurde der Wiener Magistrat ermächtigt, mit dem Stift Klosterneuburg wegen des gänzlichen Ankaufes jenes Grundstückes zu verhandeln, von dem ein Teil bereits 1894 erworben worden war. 1905 gibt das Statistische Jahrbuch der Stadt Wien die Fläche des Friedhofes mit 26.129 Quadratmetern an. Es vermerkt außerdem, dass keine Reserveflächen zur Verfügung stehen. Als interkonfessioneller Friedhof war er zu diesem Zeitpunkt "für die Leichen des ehemaligen Vorortes Hietzing und aus dem Lustschloss Schönbrunn bestimmt".

1906 wurde eine Erweiterung des Friedhofes durch Einbeziehung eines der Gemeinde Wien gehörigen Grundstückes im Ausmaß von 1.350 Quadratmetern "vorbehaltlich der Zustimmung des Obersthofmeisteramtes" genehmigt. Mit 1. Dezember 1906 wurde die "Eigenregie der Gräberausschmückung und des Beerdigungsdienstes im Hietzinger Friedhof" eingeführt. 1907 wurden die in den Jahren davor genehmigten Erweiterungen im Ausmaß von insgesamt 15.967 Quadratmetern durchgeführt. Der "neue Friedhofsteil wurde in Anwesenheit des Vize-Bürgermeisters Dr. Josef Neumayer" am 4. Jänner 1908 feierlich eingeweiht. 1907 wurde außerdem die Bewilligung zum Bau einer "zirka 480 Meter langen Einfriedungsmauer" erteilt.

Bauliche Neuerungen
1911 beziehungsweise 1912 wurden die Erbauung einer Kapelle samt Leichenkammer sowie die Umwandlung der vorhandenen Objekte in Dienstwohnungen und, als zweite Bauperiode, der Bau eines Verwaltungsgebäudes beschlossen. Die Ausführung der Kanalisierung sowie die Ausgestaltung der zwei Haupteingänge wurden genehmigt. Da im September 1912 die Voraussetzung für die elektrische Beleuchtung der Kapelle, für die ursprünglich eine Gasbeleuchtung vorgesehen war, gegeben war, wurde deren Installation sowie die eines elektrischen Glockengeläutes genehmigt. Im Laufe des Jahres 1913 konnten, nach Abschluss der Bauarbeiten, Kapelle und Leichenkammer sowie auch das Verwaltungsgebäude der Benützung übergeben werden. 1914 wurde die Versorgung des Friedhofes mit Hochquellenwasser genehmigt. Am 25. Mai desselben Jahres wurde die neue Einsegnungskapelle in Gegenwart des Vize-Bürgermeisters Franz Hoß feierlich eingesegnet. Die kirchliche Zeremonie nahm Pfarrer Otto Golda unter geistlicher Assistenz vor.

1919 wurde der Friedhof durch die Einbeziehung eines Nachbargrundstückes erweitert. Die Einfriedung des Erweiterungsteiles wurde genehmigt. Im März 1920 wurde den "Angestellten des Hietzinger Friedhofes" eine "zur seinerzeitigen Belegung bestimmte Grundfläche zum Anbau von Kartoffeln" auf die Dauer eines Jahres überlassen.

1925 wurden in dem im linken Teil des Kapellengebäudes befindlichen Aufbahrungsraum zwei Trennwände entfernt. Durch das Aufstellen einer Trennwand im rechten Teil des Gebäudes wurde eine Geräte- und eine Beisetzkammer geschaffen. 1928 wurde ein Zubau zur "Leichenhalle" genehmigt. 1936 wurde die Planung für die Schaffung von drei Aufbahrungskojen, einem Verbindungsgang und einem Vorraum zur Kapelle in Angriff genommen. Dabei wurde auch die Gerätekammer in einen Trägerraum umgestaltet. Die Aufbahrungsräume sowie die renovierte Kapelle wurden am 26. Februar 1938 der Benützung übergeben. Zwischen 1929 und 1931, 1937/1938 und zwischen 1940 und 1944 wurde der Friedhof erweitert.

Instandsetzung und Neuerungen
In den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 wurden Aufbahrungshalle und Einsegnungskapelle schwer beschädigt. Obwohl mit den Instandsetzungsarbeiten umgehend begonnen wurde, konnte der Wiederaufbau der Aufbahrungshalle erst 1947 durchgeführt werden. Unter welch schwierigen Bedingungen Aufbahrungen erfolgten, ist einer Mitteilung der Städtischen Bestattung zu entnehmen. Diese wies im Dezember 1945 darauf hin, dass die Aufbahrungsbeleuchtung in der Halle "wegen der Gefahr eines Kurzschlusses nur an niederschlagsfreien Tagen beigestellt werden kann."

Von 1948 bis 1951 wurden weitere Instandsetzungsarbeiten an den Gebäuden und Einfriedungsmauern durchgeführt sowie eine neue Glocke montiert. 1952 wurde die Aufbahrungshalle umgestaltet. Sowohl 1952 als auch 1954 wurde der Friedhof erweitert. 1958/1959 wurden die Personalunterkünfte umgebaut. 1959 wurde die Hochkreuzanlage umgestaltet. Ebenfalls 1959 wurde die Kapelle ausgemalt, die Aufbahrungskojen wurden neu spaliert. Eine Renovierung der Kapelle, für die ab dem Jahre 1961 bei Trauerfeiern keine Tordekoration mehr beigestellt wurde, erfolgte 1963.

In einer von der Friedhofsverwaltung gemeinsam mit dem Kulturamt der Stadt Wien durchgeführten Aktion wurden 1970 die in den Gruppen 1 bis 8, dem so genannten Biedermeierteil des Friedhofes, aufgestellten Denkmäler sowie auch einige Grabstätten renoviert. Für die Aufstellung der restaurierten Grabdenkmäler wurde ein eigener Hain angelegt.

Aufbahrungshalle
Von 13. Mai 1970 bis 5. April 1971 wurde die Aufbahrungshalle und anschließend bis 13. September 1971 die Kapelle nach den Plänen von Architekt Prof. DI Erich Boltenstern renoviert beziehungsweise umgestaltet. Durch die Auflassung der 1938 eingerichteten Aufbahrungskojen und die damit verbundene Umgestaltung zu einem einzigen großen Aufbahrungsraum (Raum 1 ) sowie die Einbeziehung der Kapelle als eigenen Aufbahrungsraum (Raum 2) wurde die Möglichkeit geschaffen, auch auf dem Friedhof Hietzing die Trauerfeiern nach dem neuen Trauerzeremoniell abzuhalten. Der ab 1 . Dezember 1970 geschaffene zentrale Einsegnungsdienst der römisch-katholischen Kirche begünstigte diese Einführung.

Anlässlich des Umbaues der Aufbahrungshalle wurde auch das Verwaltungsgebäude renoviert und die Beisetzkammer mit einer Kühlanlage ausgestattet. 1975 wurde der Bahrwagen eingeführt. 1979 wurde der Friedhof erweitert. 1988 wurden an Stelle des Warteraumes für Trauergäste ein Priesterraum sowie eine Abstellkammer geschaffen.

Am 6. Dezember 1989 wurde die als Aufbahrungsraum 2 bezeichnete Kapelle und am 2. Juli 1990 auch der Aufbahrungsraum 1 wegen Umbaues der Halle für die Abhaltung von Trauerfeiern gesperrt. Für die Dauer der Bauzeit stand eine provisorische Halle für die Abhaltung der Feiern zur Verfügung. Die in einer Bauzeit von knapp zwei Jahren nach den Plänen von Architekt Dr. Christof Riccabona umgebaute Aufbahrungshalle wurde am 6. November 1991 im Rahmen einer Feier von Stadtrat Johann Hatzl wieder ihrer Bestimmung übergeben.

In den beiden reich ausgestalteten Zeremonienräumen ist die Abhaltung von Trauerfeiern bei Erd- und Urnenbestattungen, im Aufbahrungsraum 1 zusätzlich auch von Kremationsfeiern möglich. Bei Kremationsfeiern wird die halbrunde Apsis, deren Altarbilder vom akademischen Maler Prof. Hermann Bauch geschaffen wurden, durch einen violetten Seidenvorhang am Ende der Zeremonie geschlossen.

Im Aufbahrungsraum 2 wurde der nachempfundene Rokokostil beibehalten. Das ursprüngliche Altarbild von F. Tomaschu, das 1948/1949 restauriert worden war, sowie der im Jahre 1914 vom "Vergolder und Altarbauer Johann Matzner" errichtete Altar wurden ebenfalls wieder aufgestellt.

2012 wurde der friedhofseigene Gärtnereibetrieb von der Marxinggasse in den Bereich Seckendorff Gudent-Weg übersiedelt.