Friedhof Simmering

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Friedhof Simmering
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Friedhof Simmering

Gaeber mit Kirche am Friedhof Simmering

Geschichte

1267 wird das Bestehen einer Kirche in Simmering erwähnt. Am 19. Juni 1378 wird in einer Niederschrift im k. k. Landtafel- und Grundbuchamt als "Pfarrer in Simoninge" ein Ulricus genannt. Die Pfarre Simmering, der - urkundlich erwähnt - 1440 "die ganze Gegend der Vorstädte Erdberg, Rennweg und Landstraße unterstand", dürfte bereits vor 1378 gegründet worden sein.

1604 wurde die Pfarre St. Marx "mit der Pfarre Simmering vereinigt".

Die Kirche, die 1529 und 1683 schwer beschädigt und 1544 als baufällig beschrieben worden war, wurde 1691 bis 1693 notdürftig instand gesetzt. 1746/1747 wurde bei einem Umbau durch Matthias Gerl dem gotischen Chor ein geräumiges Langhaus angefügt. Zwischen 1854 und 1907 wurde die Kirche mehrmals restauriert. In den Jahren 1978/1979 wurden bei archäologischen Grabungen in der Gruft unter dem rechten Seitenaltar fünf barockzeitliche Bestattungen, darunter jene von drei Pfarrern der Kirche, gefunden.

Wann der um die Kirche angelegte "Bergfriedhof" errichtet wurde, ist nicht überliefert. Da die Erhebung zur Pfarre meist auch die Errichtung eines Friedhofes zur Folge hatte, dürfte auch der Bergfriedhof bereits vor dem Jahre 1378 bestanden haben.

Kaiser Joseph II. ordnete die Schließung der innerhalb der Ortschaften befindlichen Kirchhöfe. Da auch der Bergfriedhof davon betroffen war, verfasste die Gemeinde Simmering eine "Bittschrift" um "Beilassung ihres dermaligen Freydhofes". Der zuständige "k. k. Kreyshauptmann" gab 1784 eine positive Stellungnahme an die "hochlöbliche Landes-Regierung" ab. Voraussetzung war, dass die beiden zum Friedhof gerichteten Fenster des angrenzend an den Bergfriedhof gelegenen Schulhauses vermauert werden und die am Schulgebäude angebaute auf dem Friedhof gelegene Totenkammer geschlossen wird. Dazu sollte jede Leiche nach dem Versenken in die Grabstelle mit ungelöschtem Kalk bestreut werden. Der Belassung des Friedhofes wurde "in Folge höchster Entschließung vom 4. Jänner 1785" zugestimmt. 1784 umfasste der Friedhof 155 Quadratklafter. Sollte er "wider alles Vermuthen zu klein werden", so könnte er, hieß es, "durch Hinaussetzung der Mauer um beiläufig 20 Quadratklafter vergrößert werden".

Erweiterungen
1840 war das Gräberfeld, nachdem der Friedhof 1799 und 1829 erweitert worden war, bereits "in der Niederung der Simmeringer Haide" angelangt. In der am "Fuß des Kirchberges" bestehenden Bestattungsanlage der Ursulinerinnen ist auch eine Urenkelin des Tiroler Freiheitskämpfers Andreas Hofer, Mater Maria Josefa, bestattet. 1860 musste der Friedhof neuerlich vergrößert werden. 1884 genehmigte die k. k. Bezirkshauptmannschaft Bruck an der Leitha eine Erweiterung des Friedhofes. Diese sollte durch Einbeziehung der Parzellen 1021 bis 1024 sowie der Wegparzelle 1092 in östlicher Richtung bis "an den Seeschlachtgraben" und in nördlicher Richtung durch die Einbeziehung der Parzelle 1026 erfolgen. Die zwischen dem alten Friedhof und dem Erweiterungsteil bestehende alte Friedhofsmauer sowie das alte Leichenhaus sollten demoliert und der Erweiterungsteil durch eine 1,30 Meter hohe Umfassungsmauer eingefriedet werden.

Unmittelbar anschließend an die alte Friedhofsmauer - in südöstlicher Richtung - waren die Errichtung eines Einfahrtstores und "hinter demselben ein entsprechend großer Vorplatz" vorgesehen. Links sollte "ein Leichenhaus, rechts ein Totengräberhaus aufgeführt werden". Der Baukonsens "für den neuen Friedhof" wurde am 18. Oktober 1884 der Gemeinde übergeben. Noch am Allerheiligentag desselben Jahres erteilte Pfarrer Mathias Ziegler der Friedhofserweiterung den kirchlichen Segen.

Am 18. September 1896 beschloss der Wiener Gemeinderat, den Friedhof durch die Einbeziehung von zwei kommunalen Grundparzellen sowie durch die Einlösung fremder Grundstücke um 6.528 Quadratmeter zu erweitern. 1897 wurde "die Regulierung der im Vorjahr eingelösten Grundstücke für Friedhofszwecke" durchgeführt. Der Friedhof wurde um 6.462,71 Quadratmeter erweitert.

1907 wurde der Friedhof, der 1905 über eine Fläche von 22.539 Quadratmetern verfügte, erweitert. Der Erweiterungsteil wurde am 9. Juni 1908 eingeweiht. Bereits im Oktober 1908 wurde der Ankauf von Grundstücken im Ausmaß von 4.165 Quadratmetern für eine neuerliche Erweiterung des Friedhofes genehmigt und dem dazu vorgelegten Projekt 1910 die Zustimmung erteilt.

Die zwischen 1896 und 1908 durchgeführten Erweiterungen wurden als "Neuer Teil" bezeichnet. Das 1910 begonnene und am 22. November 1911 geweihte Projekt lag im "erweiterten Teil" des Friedhofes.

1914 wurde eine Erweiterung des Friedhofes im Ausmaß von 5.232 Quadratmetern genehmigt, die 1915 durchgeführt wurde. Von einer "kirchlichen Weihe der Erweiterungsfläche wurde Umgang genommen". Ab 1. April 1916 wurden "die Leichen aus dem von der Pfarre Kaiser-Ebersdorf abgetrennten und der Pfarre St. Laurenz in Simmering zugewiesenen Teile des XI. Bezirkes dem Simmeringer Friedhof zugewiesen". Im Dezember 1917 wurde der "bauämtliche Entwurf" für eine neuerliche Erweiterung des Friedhofes genehmigt.

Die Erweiterungen, die nördlich des Seeschlachtgrabens erfolgten, waren "infolge der großen Sterblichkeit zur Zeit der Grippeepidemie" früher als angenommen erschöpft. Im April 1919 wurde eine Erweiterung des Friedhofes genehmigt. Im Juli 1919 wurde die Abtragung des ehemaligen Reiterhauserschen Gebäudes zur Anlage neuer Grabstellen und im Juli 1920 die Einbeziehung weiterer Grundstücke in das Friedhofsareal genehmigt. Im März 1922 wurde die Anlage von eigenen Gräbern im "alten Teil" genehmigt.

1926 wurde der vom Stadtbauamt vorgelegte Entwurf zur Erweiterung des Friedhofes genehmigt und die im selben Jahr begonnenen Arbeiten 1927 beendet.

Neuerungen
Am 4. August 1898 wurde die Errichtung einer Leichenhalle bewilligt. Am 27. September 1898 wurde ein Zubau zum rechtsseitig gelegenen Administrationsgebäude bewilligt. Die für die "Herstellungen" aufgelaufenen Mehrkosten wurden am 19. Februar 1900 genehmigt.

1913 wurde ein Teil der Einfriedungsmauer umgebaut.

Zwischen 1915 und 1919 wurde eine Leichenkammer errichtet.

1928 wurde im Zuge der Umgestaltung der Leichenkammer ein Zubau zur "Leichenhalle" bewilligt. 1932 wurde der "Zubau einer Aufbahrungsnische zur Leichenhalle" und eine Erweiterung des Verwaltungsgebäudes sowie die damit zusammenhängende Verlegung der Friedhofsmauer auf beiden Seiten des Eingangstores "in symmetrischer Anordnung und architektonisch gleicher Weise" genehmigt.

Die Kosten des Zubaues zur Leichenhalle wurden von der Städtischen Leichenbestattung getragen. Dem Unternehmen wurde das "alleinige Aufbahrungsrecht" übertragen. Bedingung war, dass die Aufbahrungsräumlichkeiten den privaten Leichenbestattungsunternehmen gegen Entrichtung der in den Tarifen der Städtischen Leichenbestattung festgesetzten Gebühren zu Aufbahrungszwecken überlassen werden.

Instandsetzungen, Erweiterungen und Neuerungen
1945 bis 1951 wurden die Aufbahrungshalle, die Beisetzkammer und das Verwaltungsgebäude instand gesetzt. Die zerstörten Teile der Einfriedungsmauer wurden ergänzt. Eine Einfriedungsmauer in der Länge von 325 Metern wurde neu errichtet. 1950 und 1951 wurde eine Betonbrücke über den "durch den Friedhof führenden Seeschlachtgraben" gebaut. Während der Arbeiten zur Instandsetzung der Aufbahrungshalle konnte der Aufbahrungsraum von November 1946 bis Ende März 1947 nicht benützt werden. In diesem Zeitraum war die Haus- beziehungsweise Kirchenaufbahrung jener Verstorbenen gestattet, die im Simmeringer Friedhof bestattet wurden.

1957 wurde im Betriebsgebäude ein Priester- und ein Trägerraum eingebaut. Mit dem Umbau und der Vergrößerung der schadhaften Aufbahrungshalle wurde begonnen. Ab 21. Juli 1958 konnte sie bereits teilweise wieder benützt werden. Da zu diesem Zeitpunkt zwei eingerichtete Aufbahrungskojen zur Verfügung standen, wurden die für die Dauer des Umbaues genehmigten Ausnahmen vom Haus- und Kirchenaufbahrungsverbot wieder aufgehoben. Ab 4. August 1958 wurde auf dem Friedhof Simmering der Bahrwagen eingeführt.

1961 wurde die "projektierte Erweiterungsfläche beim Bahndamm" teilweise aufgefüllt und planiert und mit den Einfriedungsarbeiten begonnen. 1962 wurde "aus Anlaß der Errichtung des Kaiser-Ebersdorfer Sammelkanales mit der Zuschüttung des mitten durch die Gräbergruppen führenden Seeschlachtgrabens begonnen und diese bis zu etwa einem Drittel der Grabenlänge im Friedhof durchgeführt". 1964 wurde der Friedhof "beim Zuschütten des Seeschlachtgrabens" erweitert. Die gewonnene Fläche wurde entsprechend ausgestaltet. Der renovierte und neu gestaltete Aufbahrungsraum wurde Ende September 1964 wieder der Benützung übergeben.

1971 wurde die Beisetzkammer umgebaut und mit einer Kühlanlage ausgestattet. Am 1. Jänner 1975 wurde der Friedhof Simmering in den zentralen Einsegnungsdienst der römisch-katholischen Kirche einbezogen. Im Oktober 1978 wurde die Aufbahrungshalle wegen Umbaues des Aufbahrungsraumes gesperrt. Für die Dauer des Umbaues wurde eine provisorische Aufbahrungshalle zur Abhaltung der Trauerfeiern zur Verfügung gestellt.

Um einen einheitlichen und übersehbaren Raum zu schaffen, wurde nach den Plänen von Architekt Prof. DI Erich Boltenstern ein Großteil der Mittelmauer abgetragen. Der Altar wurde auf einem dreistufigen Podest erhöht aufgestellt und die Pfeifenorgel in einer Nische plaziert. Für die Durchführung von Urnenaufbahrungen war eine Nische geschaffen worden, in der eine Urnenstele aufgestellt wurde. Das Bronzekreuz mit Korpus für den Altar, die Betondickglas-Fenster sowie die übrigen Glasfenster wie auch die Wand in der Urnennische und das Eingangstor wurden vom akademischen Maler Prof. Hermann Bauch gestaltet und ausgeführt. Nach der Umgestaltung des Raumes wurde die Aufbahrungshalle am 3. Juli 1979 wieder ihrer Bestimmung übergeben.

In den Jahren 2011/12 wurde die Rinnböck-Kapelle renoviert. Seit der Fertigstellung im Mai 2012 stehen im Untergeschoß Urnennischen sowie ein abgetrennter Gruftraum zur Vergabe bereit. Im Zuge dieser Renovierungsarbeiten wurde auch das Hochkreuz gleich neben dem Eingang renoviert.

2012 werden auch am Holzkreuz des Seiteneinganges Renovierungsarbeiten vorgehommen.